Die Bilder der Malerin Natalia Nevskaya leben gänzlich von der Kraft der Farben. Man mag an Henri Matisse denken, der einst sagte „Malen heißt nicht Formen färben, sondern Farben formen“.
Ganz in diesem Sinne werden die Töne in ihrer unterschiedlichsten Nuancierung auf die Leinwand gesetzt: Sattes Grün, tiefes Blau, leuchtendes Rot, strahlendes Gelb oder zartes Rosa, aus denen sich figurative Andeutungen kristallisieren.
Natalia Nevskaya entdeckte schon sehr früh ihre Faszination für die Malerei und studierte später Kunst und Musik an der Kunstakademie in Wolgograd.
Die Verbindung von Malerei und Musik spielt immer wieder eine Rolle in ihren Arbeiten.
Eine Serie von Zeichnungen nennt Natalia Nevskaya beispielsweise Etüden. Der Musiker versteht unter Etüden ‚Fingerübungen‘, mit denen er sich auf ein Konzert vorbereitet. Bei Natalia Nevskaya ergeben diese Fingerübungen spontan aufs Papier gesetzte Aquarell- und Tuschezeichnungen. Die menschliche Figur steht dabei im Zentrum, die aus einem Geflecht von vibrierenden, losgelösten Linien und Aquarellaufträgen konstruiert wird. Dieses Wechselspiel von freier Abstraktion und klarer Gegenständlichkeit erzeugt einen Spannungsgehalt, der den Arbeiten ein hohes Maß an Bewegung, Esprit und Lebendigkeit verleiht.
Während Natalia Nevskayas Etüden-Zeichnungen eine frische Leichtigkeit und humoristische Note besitzen, ist ihre Malerei von einer eher lyrischen Stimmung geprägt. Es geht der Künstlerin um Ausdruck von Gefühlen und Emotionen, und nicht um die Darstellung der äußeren Wirklichkeit. Als Inspirationsquelle dient ihr mitunter die Welt der Märchen und der Mythologie, die beide für sich ein Widerhall der Weltbetrachtung vergangener Völker sind. Die drei Grazien, die Natalia Nevskaya in einem ihrer Werke zum Thema nimmt, standen im antiken Griechenland für Schönheit, Freude und Anmut – und als Dreiergruppe für die Ausgewogenheit und Harmonie.
Arbeiten wie diese laden den Betrachter zum Nachsinnen über die Manifestationen von Natur, Leben Existenz ein.
Dennoch ist Existenz an sich nicht nur positiv besetzt. Zur Schönheit, zum Licht, zum Leben gesellt sich die Dunkelheit, der Krieg, der Tod, denn Existenz an sich wird von einem Dualismus bestimmt: Werden und Vergehen, Ordnung und Chaos, Liebe und Zerstörung, Nähe und Distanz. Natalia nimmt sich dieser tiefgründigen Thematik an. Intensive Bilder wie ‚Erntedank‘, ‚Tod oder Leben‘ und ‚Krieg und seine Horde‘ stehen für diese Auseinandersetzung.
Ihre Bildsprache weist dabei ins Surreale hinein und bleibt damit in der Interpretation offen, damit der Betrachter eigene Assoziationen und individuelle Sichtweisen entwickeln kann.
Sphärisch wirken auch die Arbeiten, in denen sich Natalia Nevskaya einem Thema zuwendet, das in der Kunstgeschichte eine wichtige Rolle spielt: Die Frau. Bei Natalia Nevskaya wird sie in ihrer ganzen Wesenhaftigkeit umschrieben: stark und beschützend in ihrer Mutterrolle, erotisch, selbstbewusst und in sich ruhend aber auch anmutig-graziös, träumerisch und verletzlich. Stilistisch wird die weibliche Figur entweder aus kubistisch anmutenden Farbfeldern oder freien, aber sicher gesetzten Pinselstrichen modelliert. Die Künstlerin greift dabei bewusst auf kontraststarke Farbkombinationen zurück, die die Aufmerksamkeit des Betrachters fesseln.
In der Malerei von Natalia Nevskaya findet man eine unverfälschte, elementare Menschlichkeit.
Die Künstlerin spürt der Frage nach, was der Mensch ist und was es bedeutet ‚in der Welt‘ zu sein. Gefühle und Emotionen wie Liebe, Freude, Einklang gehören dazu, aber auch Melancholie, Trauer und Zerrissenheit.
Ihre Bilder gehen damit über das rein Visuelle hinaus, um Momente, Stimmungen und Befindlichkeiten durch Licht und Farbe einzufangen, die den Betrachter zum Verweilen und zum Eintauchen einladen.
Mit den Bildern von Natalia Nevskaya begegnet man einer intensiven Malerei, die auf das Auge und die Seele wirkt.